Überraschung war drin
Gut aus der Affäre zogen sich die Hoffenheimerinnen im Frauen DFB-Pokal am Samstag beim Hamburger SV. Am Ende reichte es zwar nicht, um gegen den Erstligisten weiterzukommen, die Kraichgauerinnen hielten aber 90 Minuten mit tollem Team- und Kampfgeist hervorragend dagegen. Leider reiste das Team am Sonntagmorgen nicht nur mit einer Niederlage im Gepäck, sondern auch noch mit drei Neuen auf der Verletztenliste an Bord zurück nach Baden.
Eine Hiobsbotschaft erreichte Trainer Jürgen Ehrmann schon am Freitag. Die im Pokal ohnehin gesperrte Susanne Hartel wird aufgrund eines Anrisses einer Sehne an der Ferse mindestens bis März ausfallen. Die Toptorjägerin wird somit die verbleibenden sechs Ligaspiele in 2010 definitiv ausfallen.
Dies spielte beim HSV aber keine Rolle. Auch ohne den Verletzten Christine Schneider und Selina Hünerfauth kamen die Badenerinnen gut in die Partie. Sehr defensiv eingestellt machten es die Gäste dem Favoriten sehr schwer Chancen zu erspielen. Hamburg kam in der Anfangsphase lediglich zu einer Chance, Göransson konnte ihren Kopfball aus kurzer Distanz aber nicht auf den Kasten bringen.
Dann ein Schock für den Zweitligisten. Hoffenheims beste Torvorbereiterin blieb nach einem Zweikampf liegen und musste lange am Knie behandelt werden. Für Chantal Fuchs ging es nicht weiter und das ganze Team drückt die Daumen, dass die Untersuchungen am Montag keinen Kreuzbandriss als Diagnose zur Folge haben.
Für Hoffes Nummer 4 kam Tabea Rauschenberger in die Partie, die weiter hart umkämpft aber fair ausgetragen wurde.
Nach 20 Minuten kamen die körperlich überlegenen Hanseatinnen zu ihrer nächsten Möglichkeit, wieder ein Kopfball, diesmal verfehlte Lena Petermann knapp das Tor.
Kurz darauf der nächste Rückschlag für 1899. Diesmal war es Kristin Götz, die dreifache Torschützin vom vergangenen Wochenende, die nach einem Zweikampf liegen blieb. Auch hier deutete Physiotherapeut Hendrik Wahl nach kurzer Behandlung an, dass es aufgrund einer Bänderverletzung am Sprunggelenk nicht weitergehen konnte.
Für Kristin kam Miriam Scheel in die Partie und Trainer Jürgen Ehrmann stellte die Mannschaft um. Diese zeigte sich keineswegs geschockt und stand defensiv weiter sehr gut. Aber auch die erste gute Offensivaktion folgte in der 39. Minute. Eine Freistoßflanke von der rechten Seite verfehlte die nun im Sturmzentrum agierende Claire Savin nur um Haaresbreite. Claire merkte selbst sehr schnell, dass wenn sie hier den Kopf genommen hätte, der Ball mühelos im Fünfmeterraum zur Führung unterzubringen gewesen wäre.
Es blieb so beim torlosen Unentschieden bis zur Pause.
Das Glück hat gefehlt
Nach dem Wechsel änderte sich nicht viel. Der HSV fand spielerisch keine Lösung um die Hoffenheimer Defensive in Verlegenheit zu bringen. Dies gelang dann aber nach einer Ecke, die eigentlich keine war, da 1899-Keeperin zuvor im eigenen Fünfer gefoult worden war. Leider hatte Schiedsrichterin Mirka Derlin dies wohl übersehen und so brachte der Eckball die 1:0 Führung für den HSV durch Aferdita Kameraj, nachdem Hoffe den Ball nicht aus der Gefahrenzone befördern konnte.
Auch nach der Führung sah sich Hoffe weiter in die Defensive gedrängt und auch die Verletzungsmisere nahm kein Ende. Diesmal erwischte es Sophie Howard als sie im Mittelfeld zum Kopfball hochging. Völlig überflüssig sprang Kameraj in Hoffes Innerverteidigerin hinein und beide knallten mit den Köpfen aneinander. Sophie übernachtete mit einer Gehirnerschütterung im Hamburger Uniklinikum, Gehirnblutungen konnten bis Sonntagmorgen glücklicherweise nicht festgestellt werden. Weshalb die Schiedsrichterin Kameraj nach dieser völlig überflüssigen Aktion nicht mal ermahnte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.
Das Spiel ging natürlich weiter und Hoffenheim ackerte weiter. Es reichte aber nicht mehr um die Norddeutschen ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Hamburg hatte Möglichkeiten um auf 2:0 zu erhöhen, schaffte dies aber nicht und musste so in der Nachspielzeit noch mal durchatmen, als Hoffenheim komplett aufrückte und Torhüterin Kristina Kober einen Freistoß von der Seite scharf in den Strafraum schlug. Irgendjemand war dran und der Ball flog aufs Tor, leider genau in die Arme von Bianca Weech im HSV-Kasten, die wenig später den verdienten Sieg und den Einzug ins DFB-Pokal Viertelfinale mit ihrer Mannschaft feiern konnte.
„Mit eine wenig mehr Glück hätten wir es vielleicht in die Verlängerung schaffen können, die Mannschaft hat trotz den Rückschlägen überragend gefightet“, zeigte sich Coach Ehrmann zufrieden, auch wenn die zahlreichen Verletzungen ihm für die kommenden Wochen etwas Kopfzerbrechen bereiten werden.
Am Sonntag wird das Team in Crailsheim beim Zweitliga-Spiel des Dritten beim Vierten sicher wieder alles geben.
Tor: 1:0 Kameraj (58.)
Hamburg: Weech, Simon, Freese, Haye, Jokuschies, Ewers (79. Lübcke), Petermann, Kameray, Wübbenhorst (46. Zweigler), Kulig, Göransson (43. Lahr)
Hoffenheim: Kober, Breitner, Howard (77. Baumann), Pankratz, Hafke, Stoller, Savin, Gramlich, Betz, Fuchs (13. Rauschenberger), Götz (35. Scheel)
Gelbe Karte: Götz (28.)
Zuschauer: 159