Nationalspielerin in Hoffes Reihen
Zum Training erscheint sie im roten Trikot der spanischen Nationalmannschaft. Rückennummer 9, Fernando Torres. Aber eigentlich spielt Stephanie Breitner im Mittelfeld, glänzt eher im Spielaufbau und weniger als gnadenlose Vollstreckerin. Die 16-jährige B-Juniorin der TSG 1899 Hoffenheim ist gerade aus Bulgarien zurückgekehrt, wo sie mit der deutschen U17-Nationalmannschaft das EM-Qualifikationsturnier gegen Bulgarien, Finnland und Serbien erfolgreich bestritten hat. Mit drei Siegen und 30:0 Toren ließen die DFB-Mädchen keine weiteren Fragen offen. Nun kehrt für Stephanie erstmal wieder der Alltag im Stützpunkt St. Leon-Rot ein – doch auch der hat es in sich. Denn „Steffi“ spielt sowohl für die B-Juniorinnen als auch, sofern es der Terminkalender zulässt, für die Frauen von 1899 Hoffenheim.

Mit dem ehemaligen Bayern-Grantler Paul ist Stephanie Breitner („Ich werde immer danach gefragt“) nicht verwandt. In Mühlhausen aufgewachsen, stand sie schon in der F-Jugend beim 1. FC mit den Jungs auf dem Platz. Und obwohl sie heute im Trikot von 1899 Hoffenheim aufläuft, ist „Steffi“ ihrem Heimatklub im Grunde genommen immer treu geblieben. Nach ihrem „Wechsel“ als D-Jugendliche in die reine Mädchen-Mannschaft der 2000 ins Leben gerufenen Spielgemeinschaft (SG) 1.FC Mühlhauen / VfB St. Leon ging eben jene SG mit Beginn der Spielzeit 2007/08 in der TSG 1899 Hoffenheim neu auf.
Mittlerweile schnürt „Steffi“ nun also als B-Juniorin die Stiefel und darf auch bei den Frauen ran. Mit beiden Teams läuft es derzeit ganz gut. Während die B-Juniorinnen nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses hinter dem VfL Munderkingen auf Platz zwei der EnBW-Oberliga stehen, zieren die Frauen sowohl in der Oberliga Baden-Württemberg als auch mit der zweiten Mannschaft in der Verbandsliga Baden mit jeweils makelloser Bilanz die Tabellenspitze. Das erklärte Saisonziel, sich mit den B-Juniorinnen für die Süddeutsche Meisterschaft zu qualifizieren und mit beiden Frauenteams aufzusteigen, ist also durchaus realisierbar.
Doch das Hauptaugenmerk liegt zunächst in der von den Trainern Werner Fuchs und Jürgen Köhler betreuten B-Jugend-Mannschaft. „Den Titel als Oberliga-Meister verteidigen und endlich die Süddeutsche gewinnen“, sagt „Steffi“ unmissverständlich. Wenn sie zusätzlich beim Aufstieg der Frauen mithelfen kann – umso besser. Dass Stephanie in der vergangenen Saison am souveränen Gewinn der Oberliga (64 von 66 möglichen Punkten bei 102:12 Toren) nicht ganz unbeteiligt war, ist natürlich auch dem DFB nicht verborgen geblieben. Als Auswahlspielerin des Badischen Fußball-Verbands hat sie bereits in der U16 beim Vier-Nationen-Turnier im Mai in Schweden das Adler-Trikot überstreifen dürfen, nun also die Berufung in die U17, wo sie jedoch aufgrund des Altersunterschiedes – die meisten Spielerinnen sind Jahrgang 1991, Stephanie wurde am 25. September 1992 geboren – noch nicht zum Stammpersonal gehört. Für die am Mittwoch (28. Oktober) in Neuseeland beginnende U17-WM wurde sie nicht nominiert.
„Im Verein habe ich schon auf fast jeder Position gespielt, in der Nationalmannschaft bislang nur auf der Sechs“, sagt Stephanie, die sich bereits auf den zweiwöchigen U17-Lehrgang freut, der im Januar in den USA über die Bühne gehen wird. Ihr großer Traum? „Mit Hoffenheim weit oben in der Bundesliga spielen“, muss sie da nicht lange überlegen. Bis dahin hat sie noch ein bisschen Zeit, an ihrer großen Schwäche – dem linken Fuß – zu arbeiten. Als ihre Stärken sieht sie hingegen ihre „Schnelligkeit, den Zweikampf und die Übersicht am Ball“. Als ihre Vorbilder bezeichnet die Schülerin der Johann-Philipp-Bronner-Realschule in Wiesloch neben – natürlich – Birgit Prinz auch Simone Laudehr.
Bevor Stephanie Breitner den Trainingsplatz auf der Anlage des VfB St. Leon betritt, muss sie noch schnell zusammen mit anderen Spielerinnen einem Kamerateam ein kurzes Interview geben. Wenige Meter Luftlinie weiter, hinter dem Zaun, stehen die ersten Bagger, die das Gelände für den Bau des Jugendförderstützpunktes (Link) planieren. „Darauf freue ich mich besonders“, blickt „Steffi“ den dann optimierten Bedingungen entgegen. Bis der sechste Stützpunkt von „Anpfiff ins Leben“ fertig gestellt ist, wird Stephanie Breitner weitere Länderspiele auf dem Buckel und vielleicht den Aufstieg mit den 1899-Frauen, sowie im Idealfall auch die Süddeutsche mit den B-Juniorinnen gefeiert haben.