Mädchen, Mädchen... Kürzlich war G. G. Anderson in der Nähe von Heidelberg. Genauer gesagt in St. Leon-Rot. Der Schlagersänger war zwar nicht leibhaftig in die Metropolregion Rhein-Neckar gekommen. Gerd Grabowski, wie Anderson mit bürgerlichem Namen heißt, trällerte aber seinen 86er-Hit „Mädchen, Mädchen“ via Lautsprecher übers Sportgelände. Eine gute Wahl. Discjockey Rainer Kraft hatte den Ohrwurm allein schon deshalb abspielen müssen, weil in dem von Sehnsucht und Träumen die Rede ist.
Träume! Ja, die haben sie in der knapp 13.000-Seelen-Gemeinde St. Leon-Rot. Idyllisch liegt es, das Sportgelände des VfB, einem Kreisklasse-Klub von Heidelberg. Das gibt es nicht alle Tage, dass DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger bei einem 500 Mitglieder zählenden Fußballverein aufkreuzt. Doch dieser Sonntag war kein normaler Fußballsonntag. Der Förderstützpunkt Jugendsport hatte zur Saisoneröffnung ins Waldstadion St. Leon geladen. Mit dabei: rund 100 Mädchen- und Frauen-Fußballerinnen der TSG 1899 Hoffenheim.
Es muss etwa zwei Jahre her sein. Da plauderte Theo Zwanziger mit Dietmar Hopp im unweit entfernten Zuzenhausen. Anlässlich der Eröffnung des Dietmar-Hopp-Jugendförderzentrums gab der DFB-Boss dem Gründer des Softwareunternehmens SAP mit auf den Weg „wo denn der Mädchen- und Frauenfußball bleibe?“. Der Heidelberger Hopp, 67, betraute Anton Nagl mit dem Projekt und ließ eine Hand voll hauptamtlich Beschäftigte des Förderstützpunkts Jugendsport die Fäden ziehen. Mit der Folge, dass zum Jahresende hinter dem St. Leoner Sportgelände die Bagger anrollen. Einer der größten Erfolge schon vor dem ersten Spatenstich: statt der ursprünglich in Aussicht gestellten Container, die von den Eishockey-Adlern aus Mannheim geholt werden sollten, entschied man sich für die zukunftsorientierte Maßnahme, angelehnt an das bestehende Jugendförderzentrum im nahe gelegenen Walldorf. Bis im Frühjahr 2008 entsteht neben zwei Sportplätzen mit Flutlicht ein Funktionsbau. Die „offenen Häuser“ in der Metropolregion Rhein-Neckar sind zentrale Treffpunkte für den Informationsaustausch und bieten den jugendlichen Sportlern und ihren Familien eine ideale Kommunikationsplattform. Einrichtungen in Zuzenhausen, Walldorf und Ludwigshafen bestehen bereits. Anton Nagl, der Vorsitzende des Förderstützpunkts Jugendsport, sieht sein Team auf dem richtigen Weg: „Im Fokus steht die ganzheitliche Betreuung der Jugendlichen. Wir wollen mehr sein als rein sportliche Unterstützung. Schule, Beruf, Soziales, Kultur und Kunst werden mit dem Sport in Einklang gebracht.“
Diese Investition ist ein weiser Entschluss wenn man auf die rasende Entwicklung im Mädchen- und Frauenfußball blickt. Für die Saison 2007/08 sind im Badischen Fußballverband erstmals über 100 Teams für den Spielbetrieb gemeldet. Mit dem neu zu erstellenden Mädchen-Förderstützpunkt in St. Leon-Rot werden die sportlichen Rahmenbedingungen der bereits durch das Konzept „Anpfiff ins Leben“ geförderten Mädchen weiter verbessert. Nagl: „Unser Ziel ist es, eine ausgewogene und attraktive Angebotskombination zu finden, die über die sportlichen Aspekte hinausgeht.“
Die Jugendförderarbeit im Rhein-Neckar-Kreis soll Früchte tragen, um im Jahr 2011 bestens aufgestellt zu ein. Dann nämlich, sofern die Entscheidung zu Gunsten Deutschlands als Austragungsort für die Frauen-WM ausfallen sollte, will man im neu gebauten Stadion in Sinsheim unbedingt internationalen Frauenfußball sehen.
Im Mai erfolgte der Spatenstich für die rund 30.000 Zuschauer fassende TSG-Arena. Und nach etwa 19-monatiger Bauzeit soll im Januar 2009 die Einweihung des schmucken Stadions nahe der Autobahn A6 erfolgen. In der Metropolregion Rhein-Neckar geben sie ganz schön Gas – Junge, Junge!