Vereinshistorie
Geschichte des Frauenfußballs bei der TSG 1899 Hoffenheim seit 2000
Der Frauenfußball bei der TSG 1899 Hoffenheim ist keine Ausgründung aus dem Männerbereich, sondern eine Übernahme. Er beginnt nicht 1899 und nicht mit dem Aufstieg der Männermannschaft, sondern im Jahr 2000 in zwei Nachbarorten.
2000 bis 2007: die Spielgemeinschaft
Den Anlass gaben neun Mädchen. Im Frühjahr 2000 spielten in den Bubenmannschaften des VfB St. Leon vier Mädchen, in denen des 1. FC Mühlhausen fünf. Am 31. Juli 2000 setzten sich die Jugendleiter der beiden Vereine zusammen — Werner Fuchs für den VfB St. Leon, Holger Obländer für den 1. FC Mühlhausen, dazu dessen Stellvertreter Karl Rühl. Am 10. September 2000 fand in St. Leon das erste Training der neuen Mädchenmannschaft statt, geleitet von Fuchs und Obländer; eine Woche später, am 17. September, gewann die SG Mühlhausen/St. Leon ihr erstes Spiel gegen die SpVgg 06 Ketsch mit 19:1.
Der 1. FC Mühlhausen und der VfB St. Leon gründeten 2000 eine Spielgemeinschaft im Mädchenfußball. Das Modell ist im Frauenfußball verbreitet und meist eine Notlösung: Zwei Vereine bündeln ihre Spielerinnen, weil keiner allein genug für eigene Mannschaften in allen Altersstufen hat. In Hoffenheims Fall wurde daraus keine Notlösung, sondern eine Talentschmiede — die Spielgemeinschaft gewann eine Reihe von Titeln und arbeitete sich zur Spitzenmannschaft im badischen Bereich hoch.
2006/2007 stellte sie erstmals eine eigene Frauenmannschaft. Diese stieg auf Anhieb aus der Landesliga auf. Damit war die sportliche Grundlage gelegt, auf der die Übernahme überhaupt Sinn ergab.
2007: die Übernahme durch die TSG
Nach dem Landesligatitel wurde die Spielgemeinschaft aufgelöst und der Frauen- und Mädchenbereich von der TSG 1899 Hoffenheim weitergeführt. Entscheidend war, dass das Trainerteam mitkam: Holger Obländer und Udo Metz, die schon bei der Spielgemeinschaft zusammen an der Seitenlinie standen, führten die Mannschaft auch unter dem neuen Vereinsnamen weiter und holten mit ihr gleich im ersten Jahr den Titel in der Verbandsliga. Der Verein übernahm also keine Spielerliste, sondern eine eingespielte Struktur. Das erklärt, warum der Erfolg nicht abriss, sondern sich beschleunigte.
2007 bis 2010: vier Aufstiege in Serie
Es folgte die auffälligste Phase der Vereinsgeschichte: Meisterschaft in der Verbandsliga, Meisterschaft in der Oberliga, Meisterschaft in der Regionalliga — Aufstiege in unmittelbarer Folge, mehrfach mit über hundert erzielten Treffern in einer Saison. In der Verbandsliga fielen in zwanzig Spielen 152 Tore. Solche Zahlen sagen weniger über Spielstärke als über den Abstand zur Konkurrenz: Die Mannschaft war für ihre Spielklasse schlicht zu gut und wuchs jedes Jahr aus ihr heraus.
Genau diese Jahre dokumentiert das Spielbericht-Archiv dieser Seite, Partie für Partie. Es ist der einzige zusammenhängende Bestand aus dieser Zeit.
Der Bestand ist vollständig erschlossen: das Spielbericht-Archiv 2007 bis 2009 führt die Partien nach Wettbewerb und Monat, die Begegnungen der vierten Ebene gesondert als Oberliga-Partien und die der dritten als Regionalliga-Partien. Wer die beiden Listen nebeneinander legt, sieht den Klassenunterschied an den Ergebnissen derselben Mannschaft innerhalb von zwei Jahren.
Die Zeitachse in fünf Abschnitten
Die Blockreihen unten geben die Länge der Phasen wieder, ein Block je Jahr: sieben Jahre Spielgemeinschaft, das Übernahmejahr 2007 als einzelner Block, die drei Jahre der Aufstiegsserie bis 2010, die drei Jahre in der 2. Bundesliga bis 2013 und darunter die Zeit in der Bundesliga bis heute. Der Vergleich der Reihen ist der Punkt: der Aufbau dauerte länger als der Aufstieg, und die Bundesligazeit ist inzwischen die längste Phase der Vereinsgeschichte im Frauenbereich.
Der Sprung in die Bundesliga
In der 2. Bundesliga Süd endete die Aufstiegsserie zunächst; die Mannschaft belegte zweite und dritte Plätze. Im dritten Jahr gelang der Aufstieg, entschieden in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem 1. FC Köln, in dem am letzten Spieltag im direkten Vergleich ein Unentschieden genügte. Seither gehört Hoffenheim zum festen Kreis der Frauen-Bundesliga.
In dieses Aufstiegsjahr fällt ein Name, der über den Verein hinausreicht: Birgit Prinz lief in jener Saison einige Male für Hoffenheim auf. Was das für den Verein bedeutete, lässt sich an seinen eigenen Unterlagen ablesen: in den Spielerinnenprofilen, die die damalige Vereinsseite führte, wird sie dreizehnmal als sportliches Vorbild genannt — sie gehört damit zu den am häufigsten genannten Namen überhaupt. Eine Mannschaft, die wenige Jahre zuvor noch in der Landesliga spielte, hatte für einige Wochen eine Spielerin im Kader, die ein Teil des eigenen Nachwuchses als Maßstab angab.
Das Stadion und wer den Ausbau bezahlte
Die Heimspiele der Frauen fanden im Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim statt — derselben Anlage, in der die Männermannschaft einst den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hatte, ehe sie in ein größeres Stadion umzog. Die frühere Vereinsseite nannte den Platz „das Hoffenheimer Schmuckkästchen“, und der Ausdruck beschreibt die Größenordnung besser als eine Zuschauerzahl: ein Gelände, das für Bundesligafußball reicht, ohne dafür gebaut worden zu sein.
Dass es diese Anlage und das Umfeld dazu überhaupt gibt, hängt an einer Person. Der Aufstieg der TSG 1899 Hoffenheim aus der Kreisklasse wurde von ihrem Mäzen Dietmar Hopp finanziert, und zwar nicht nur über Spielergehälter: Der Ausbau der Infrastruktur und der Aufbau eines Nachwuchszentrums gehörten dazu. Der Frauenbereich ist in diesem Umfeld gewachsen — er hat es nicht geschaffen, aber ohne die vorhandene Struktur wäre der Weg von der Landesliga in die Bundesliga in sechs Jahren schwer vorstellbar.
Das Förderzentrum in St. Leon-Rot
2008 entstand in St. Leon-Rot ein Förderzentrum für den Mädchenfußball. Der entscheidende Punkt daran ist nicht der Rasen, sondern die Verbindung von Training, Schule und medizinischer Betreuung an einem Ort. Für Spielerinnen im Schulalter ist das der Unterschied zwischen einem Hobby mit langen Fahrtwegen und einer planbaren Laufbahn — und für den Verein der Grund, seinen Nachschub überwiegend selbst zu erzeugen statt ihn einzukaufen.
Warum diese Geschichte ungewöhnlich ist
Aufstiege aus der Landesliga in die Bundesliga sind im deutschen Frauenfußball selten, weil an jeder Stufe nicht nur sportliche, sondern organisatorische Hürden stehen: Stadion, Nachwuchsmannschaften, Verwaltung, Betreuung. Viele Vereine gewinnen ihre Liga und verzichten auf den Aufstieg. Hoffenheim hat diese Hürden in Folge genommen — was den Bereich von einer sportlichen zu einer strukturellen Geschichte macht.
Zur Vorgeschichte gibt es eine eigene Darstellung aus jener Zeit: die Spielgemeinschaft 1. FC Mühlhausen / VfB St. Leon, und die 26 gewonnenen Meisterschaften und Titel der Spielzeiten 2000/01 bis 2007/08 stehen einzeln unter Titel und Erfolge in der Fassung, die damals auf der Vereinsseite stand. Welche Hürden an jeder Stufe stehen und warum ein Verein ein sportlich erreichtes Aufstiegsrecht ausschlagen kann, erklärt das Ligasystem im Frauenfußball.
Wo die Mannschaft heute steht
Von den Aufstiegsjahren führt eine gerade Linie in den laufenden Spielbetrieb: die Frauen Bundesliga Tabelle zeigt die Platzierung dieser Saison, der Spielplan die Ansetzungen aller Vereine, und beim Kader der TSG Hoffenheim Frauen stehen die Partien des Vereins gesondert mit der Verteilung von Heim- und Auswärtsspielen. Daneben läuft der DFB-Pokal der Frauen, in dem die Mannschaft schon in ihrer Zeit unterhalb der Bundesliga antrat — jene Pokalpartien liegen im Pokalarchiv.
Was die Zahlen aus den Aufstiegsjahren zeigen
Die Torbilanzen jener Spielzeiten wirken auf dem Papier absurd, erklären aber die Dynamik. Wenn eine Mannschaft in einer Verbandsligasaison über 150 Treffer erzielt, spielt sie nicht in der richtigen Klasse. Für die Spielerinnen bedeutet eine solche Saison wenig Widerstand und damit wenig Entwicklung — der Aufstieg ist dann keine Belohnung, sondern eine Notwendigkeit.
Genau das ist im Archiv nachlesbar: Reihen zweistelliger Ergebnisse, unterbrochen von einzelnen engen Partien gegen den jeweiligen Tabellenzweiten. Die engen Spiele sind die interessanten, weil sie zeigen, wo die Mannschaft tatsächlich stand.
Die Rolle der zweiten Mannschaft
Parallel zur ersten Mannschaft führte der Verein eine zweite, die im Archiv als 1899 II erscheint. Sie spielte eine oder zwei Klassen tiefer und war die Brücke zwischen Juniorinnenbereich und Frauenspielbetrieb: der Ort, an dem eine Sechzehnjährige erstmals gegen erwachsene Gegnerinnen spielte, ohne gleich in der ersten Mannschaft zu stehen. Ohne diese Stufe fällt der Nachwuchs nach der B-Juniorinnenzeit ins Leere — der Grund, warum viele Vereine ihre Talente an dieser Stelle verlieren.
Häufige Fragen zur Geschichte
Seit wann gibt es Frauenfußball bei der TSG 1899 Hoffenheim?
Als eigener Bereich der TSG seit 2007. Die Wurzeln liegen in einer Spielgemeinschaft von 1. FC Mühlhausen und VfB St. Leon, gegründet im Jahr 2000.
Wie viele Aufstiege gelangen in Folge?
Nach der Übernahme folgten Meisterschaften in Verbandsliga, Oberliga und Regionalliga, ehe die Serie in der 2. Bundesliga Süd zunächst endete.
Was war die SG 1. FC Mühlhausen / VfB St. Leon?
Eine Spielgemeinschaft zweier Nachbarvereine im Mädchenfußball, aus der die erste Frauenmannschaft hervorging. Details unter Vorgeschichte.
Wo finde ich Ergebnisse aus den Aufstiegsjahren?
Im Spielbericht-Archiv, das die Jahre 2007 bis 2009 abdeckt.